03. September 2019

Tamar Kali im Interview

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Die Sängerin und Komponistin schaffte 2017 mit ihrem Debut für den Film "Mudbound" der Regisseurin Dee Ree ihren Durchbruch als Filmmusikerin. Die GEMA konnte mit ihr über ihre Arbeit und der Liebe zur Musik sprechen.

Gibt es für Dich einen Unterschied beim Komponieren für Filme und Deinen eigenen Songs?
Für den Film zu schreiben ist eine Gemeinschaftsarbeit mit anderen Künstlern. Der Hauptkünstler ist der Regisseur/Filmemacher, aber ich betrachte auch die Kameramänner, Sounddesigner und Schauspieler, da ich von all ihren Beiträgen bei der Komposition der Partitur inspiriert bin.

Gibt es einen Film für den Du gerne die Musik komponieren würdest?
Nein. Durch das Komponieren für Filme, konnte ich einen meiner Träume verwirklichen: Ich darf mit anderen Künstlern aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten. Mich interessiert, an Filmen jeden Genres mit einer starken Vision und einer großartigen Ausführung zu arbeiten, die den Intellekt und das Herz stimulieren oder die Fantasie anspornen.

Hast Du eine Lieblingsfilmmusik? Wenn ja: warum genau diese?
Die Filmmusik, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hat, ist ziemlich vielseitige. Die früheste Filmmusikerfahrung, die mich als Kind beeinflusste, war Prokofievs „Peter und der Wolf". Die Komposition geht auf den Disney-Film zurück, aber sie sind für mich eins. Die Themen sind so stark. Ich kann mich auch gut an den Wolf, Peter oder Sasha erinnern. Als nächstes würde ich Mark Lindsays Filmmusik für „Shogun's Assassine“ nennen. Nach der Serie „Lone Wolf & Cub“ waren mein Vater und ich in meiner Jugend verrückt. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt aus akustischer Sicht aufgrund seiner elektronischen Unbeholfenheit. Auch hier gab es starke Leitmotive, die ich mit Szenen und Dialogen verbinden kann. Diese Erinnerung bleibt einem. Meine dritte bemerkenswerte Erfahrung mit Filmmusik wäre Ryuichi Sakamotos „Furyo - Merry Christmas Mr Lawrence“. Für mich ist es sehr schwer, diese Musik zu hören, vor allem den Titelsong, ohne dabei zu weinen. Das Werk hat eine derartige Verletzlichkeit und ein tiefes emotionales Kernstück, das mich jedes Mal zu Tränen rührt

Was bevorzugst Du: eigene Musik zu komponieren oder einen Film mit Musik zu interpretieren?
Hierbei handelt es sich um zwei derart verschiedene Abläufe, dass ich sie nie in einem „entweder/oder“ Kontext betrachtet habe. Ich bin eine Interpretin und eine Musikerin, die Filmmusikkomposition zum Künstlerportfolio hinzugefügt hat. Ich mache beides und fühle mich von beiden auf unterschiedliche Weise bereichert. Genau genommen schärft die Schöpfung von Filmmusik als Einzelner in einem Team von verschiedenen Gewerken meine Fähigkeiten und mein Geschick für nachfolgende Soloprojekte. Ich kehre zu meiner persönlichen Praxis mit einem neuen Blickwinkel zurück.

Wo findest Du Deine Inspiration?
Mich inspiriert das Leben selbst. Die Sinne sind die Leitungen für Inspiration. Meine Kreativität wird durch alle Sinne - sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken - stimuliert. Ich entwerfe viel um Themen und Emotionen im Allgemeinen. Beim Kompositionsprozess für einen Filmausschnitt kann alles, vom Farbton und Umgebungsgeräuschen bis hin zur Körperlichkeit der Schauspieler und das Timbre ihrer Stimmen Aufschlüsse geben, wie man an die Komposition herangeht.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Du Dich als Komponistin, Sängerin und Musikerin, also als Frau, stellen musst?
Die Statistiken belegen ja, welche Hürden Frauen in unserer Industrie überwinden müssen. Ich kann hier aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz als Künstlerin sprechen. Ich stell mir vor, ich wüsste nicht, was meine größte Herausforderung hätte sein können oder sein könnte. Das scheint etwas zu sein, was man nur dann bewertet, wenn man seine Zeit abgesessen hat. Ich weiß, dass ich hart gearbeitet habe und immer noch hart arbeite, um eine Karriere aufgrund meines kreativen Talents aufzubauen. Im Einklang mit meinen Prinzipien. Ich möchte so die Gelegenheit haben, ein Vermächtnis zu hinterlassen, auf welches ich stolz bin. Was ich aus meiner harten Arbeit gelernt habe ist, mich als unabhängige Künstlerin zu behaupten, ist, meinen Fokus auf meine Arbeit zu legen. Immer wenn ich mein Herz und meine Gedanken dahingehend ausgerichtet habe, habe ich am meisten Wachstum und Erfolg verzeichnen können. Arbeit ist der Weg.

Wer oder was hat Dich am meisten im Hinblick auf deine Musik beeinflusst?
Ich kann keinen einzelnen Klang oder eine Erfahrung herausgreifen, die mich am meisten beeinflusst hätte. Eins steht jedoch ganz klar fest: mein Vater ist mein Fundament. Er selbst konnte nicht sein Leben lang praktizieren. Aber ich weiß, dass ich ohne seine Führung, seiner Entwicklung meines Talents von Kindesbeinen an, seiner Fürsorge und seiner Unterstützung nicht zu der Künstlerin geworden wäre, die ich heute bin.

Würdest Du, wenn Du eine zweite Chance hättest, wieder Musikerin/Komponistin werden?
Ich glaube, dass ich dafür geboren wurde und daher sage ich: JA.

Interview: Christin Wenke-Ahlendorf

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